Ratssprüche

02 / 2000 Angebot der finanziellen Hilfe

Ratsmahnung im Fall DSD
 
Der Vorfall:
 
Bonn, 17. März 2000. Ein Pressemitarbeiter des DSD hat dem im Auftrag des WDR recherchierenden Filmproduzenten Frank Durre nach dessen Bekunden Hilfe angeboten, “wenn es da finanzielle Probleme gäbe”. Da dieser Mitarbeiter, Herr Gunnar Sohn, den DSD im Oktober 1997 verlassen und sich anschließend mit öffentlicher Kritik am DSD hervorgetan hat, kann er für den PR-Rat in dieser Frage kein Gewährsmann sein. Das DSD kennt nach heutigem Wissensstand ein solches Angebot nicht.
 
Der Rat kann das Gegenteil nicht belegen. Er nimmt aber auch diesen Vorfall zum Anlass, alle Pressestellen vor dem Versuch der Korrumpierung von freien, im Auftrag von Sendern arbeitenden Produzenten zu warnen.

01 / 2000 Offenlegung von Interessengebundenheiten

Ratsmahnung anlässlich des Falls Viamedia
 
Der Vorfall:
 
Die Filmproduktionsgesellschaft Viamedia, eine Tochtergesellschaft der PR-Agentur Kohtes & Klewes, war von der WDR-Redaktion “markt” mit der Produktion von Filmaufnahmen für eine Sendung über den Grünen Punkt beauftragt worden, die am 26.1.1998 auch ausgestrahlt wurde. Dazu gehörte unter anderem ein Interview mit dem Landrat des Landkreises Lahn/Dill, das am 19.1.1998 zustande kam. Im Begleitkommentar wurde dem Landrat, der ein vom Grünen Punkt abweichendes eigenständiges Entsorgungskonzept verfolgte, vorgeworfen, ökologische Gefahren herunterzuspielen und einem Bonn, gefährlichen Irrtum zu unterliegen. Nach Auskunft des Landrats gegenüber dem DRPR wurde in dem Beitrag unterschlagen, dass der Lahn-Dill-Kreis mit einem Zementwerk lediglich eine versuchsweise Verbrennung von Trockenstabilat abgesprochen hatte.
 
Die WDR-Redaktion “markt” übernahm in einer schriftlichen Erklärung die Verantwortung für den Inhalt der Sendung, implizit also auch für die für den Landrat abträglichen Teile. Sie gab in einer ZDF-Sendung vom 6. 6. 1999 jedoch zu, dass sie “über die geschäftliche Verbindung zwischen Viamedia und der PR-Agentur des Dualen Systems nicht Bescheid wusste.” Die Redaktion werde Viamedia daher künftig keine Aufträge mehr erteilen. In der gleichen ZDF-Sendung räumte Herr Frank Durre von der Firma Visuell Fernsehproduktionen, Berlin, ein, dass er die ihn beauftragenden Sender nie über seine parallele Zusammenarbeit mit dem DSD und K&K informiert hat.
 

Das Urteil:
 
Bonn, 17. März 2000. Für den PR-Rat besteht keine letzte Klarheit darüber, wieweit diese Produzenten, wie geltend gemacht wurde, in eigener Verantwortung gehandelt haben. Im zweiten Fall ist davon allerdings auszugehen, da der Produzent Frank Durre auch zugab, doppelte Honorare (vom Sender und vom DSD) kassiert zu haben.

 
Die Ratsmahnung:
 
Der PR-Rat nimmt diese Fälle aber zum Anlass zu einer eindringlichen Mahnung an alle PR-Agenturen mit selbständig operierenden Produktionseinheiten. Sie müssen dafür Sorge tragen, dass die auftraggebenden Sender über die Interessengebundenheit der Produktionsfirmen informiert werden. Nach seiner Auffassung liegt hier keine Holschuld der Redaktionen, sondern eine Bringschuld der Produzenten vor. Deren Standesvertretung sollte prüfen, ob der Artikel 4 des Code de Lisbonne (s.o.) nicht auch für sie gelten muss; sie sollte dann entsprechende Regelungen treffen.
 

Der Sonderaspekt DSD
 
Bonn, 17. März 2000. Ein Pressemitarbeiter des DSD hat dem im Auftrag des WDR recherchierenden Filmproduzenten Frank Durre nach dessen Bekunden Hilfe angeboten, “wenn es da finanzielle Probleme gäbe”. Da dieser Mitarbeiter, Herr Gunnar Sohn, den DSD im Oktober 1997 verlassen und sich anschließend mit öffentlicher Kritik am DSD hervorgetan hat, kann er für den PR-Rat in dieser Frage kein Gewährsmann sein. Das DSD kennt nach heutigem Wissensstand ein solches Angebot nicht.
 
Der Rat kann das Gegenteil nicht belegen. Er nimmt aber auch diesen Vorfall zum Anlass, alle Pressestellen vor dem Versuch der Korrumpierung von freien, im Auftrag von Sendern arbeitenden Produzenten zu warnen.

01 / 1999 Gemietete Demonstranten

Ratsrüge gegen die PR-Agentur MC.B Medical Consult
 
Der Vorfall:
 
Die PR-Agentur MC.B Medical Consult Bonn Public Relations / Public Affairs GmbH hat für eine öffentliche Demonstration “pro Therapiefreiheit” in den Morgenstunden des 7. Dezember 1998 studentische Hilfskräfte angeheuert und mit 15 DM pro Stunde honoriert. Diese Studenten stellten nach Auskunft der Agentur über die Hälfte der zwischen 40 und 60 Demonstranten.
 
Der Agenturchef Wolfgang G. Lange, zugleich Geschäftsführer der Aktionsgemeinschaft Pro Therapiefreiheit, hatte diese Demonstration am 4. Dezember 1998 in einer Pressekonferenz angekündigt und dabei den Vorbehalt gemacht, dass “unsere Patient Action Group am Montag nicht nur aus Patienten bestehen wird… Wir wollen Kranke angesichts der Wetterlage nicht den Gefahren von Sekundärerkrankungen aussetzen. Daher wird nicht jeder Teilnehmer ein chronisch kranker Mensch sein.”
 
Nach seiner Auskunft wußten auch die 21 Mitglieder des Bundesausschusses der Kassenärzte und Krankenkassen, denen diese Demonstration galt, dass es sich bei den Teilnehmern nicht nur um kranke Personen handelte.
 

Das Urteil:
 
Öffentliche Demonstrationen sind ein wesentlicher Ausdruck politischen Willens und daher ein Grundrecht in einer demokratischen Gesellschaftsordnung. Dieses Recht setzt jedoch voraus, dass Demonstranten für eigene Überzeugungen eintreten. Demokratische Öffentlichkeiten unterstellen auch, dass Demonstranten eigene Anliegen verfolgen. Andernfalls müssen sie sich getäuscht fühlen.
 
Zulässig erscheint, dass sich Betroffene vertreten lassen durch Angehörige oder durch Personenkreise, die sich mit den Betroffenen solidarisieren. Nehmen Demonstrationsteilnehmer dafür allerdings ein Honorar entgegen, so ist eine persönliche Anteilnahme auszuschließen. Sie handeln wie engagierte Schauspieler oder Statisten bei einem Event.
 
Die Aktion der Bonner PR-Agentur war nicht als ein PR-Event geplant, sondern als eine verbandspolitische öffentliche Demonstration. Die Adressaten der Aktion – sowohl die Presse wie die angesprochenen Mitglieder des Bundesausschusses der Kassenärzte und Krankenkassen und eventuelle Passanten – mussten gerade auf Grund des von der Aktionsgemeinschaft geäußerten Vorbehalts annehmen, dass es sich bei einer “Patient Action Group”, wenn nicht um Kranke, so doch um eine mit ihnen solidarische Personengruppe handelt. Daher hatten auch alle Berichterstatter über die Pressekonferenz der Aktionsgemeinschaft arglos die bevorstehenden “Protestaktionen” (AP-Meldung vom 4.12.98.) gemeldet, ohne auf deren durch angeheuerte Demonstranten eingeschränkte Aussagekraft hinzuweisen.

 
Die Urteilsbegründung:
 
Dass bezahlte studentische Hilfskräfte eingesetzt wurden, stellt eine Irreführung der Öffentlichkeit dar. Der Deutsche Rat für Public Relations spricht der Agentur MC.B daher eine öffentliche Rüge aus. Grundlage dieses Spruchs ist Artikel 4 des Code de Lisbonne:
 
Public Relations-Aktivitäten müssen offen durchgeführt werden. Sie müssen leicht als solche erkennbar sein, eine klare Quellenbezeichnung tragen und dürfen Dritte nicht irreführen.

 
Abgrenzungen:
 
Von Honorierungen zu unterscheiden sind die bisweilen von Veranstaltern einer Demonstration ausgezahlten Ausfallsentgelte oder angebotene Verköstigungen und Gegenstände (Regenschirme etc.). Einiges davon könnte eine Vorteilsannahme darstellen, die zu unmotivierten und daher irreführenden Demonstrationsteilnahmen verleiten. Der PR-Rat hatte über solche Fälle nicht zu entscheiden.

04 / 1998 Bezahlte Presseinterviews

Ratsrüge gegen die Vereinte Krankenversicherung und ihre PR-Agentur
 
Der Vorfall:
 
Die Vereinte Krankenversicherung, München, zahlte auf Vermittlung der PR-Agentur CIW – Werbung und Pub­lic Relations GmbH, Wuppertal, 7000, – DM für das Interview eines ihrer Vorstandsmitglieder mit dem ARD-Wirtschafts­magazin PLUS/MI­NUS. Die ARD-Redaktion dokumentierte diese Trans­aktion in ihrer Sen­dung am 5. November 1996. Sie benannte wei­tere TV-Sender, denen für die gleiche Interviewform ebenfalls Geldsummen gezahlt worden sind.

 
Das Urteil:
 
Der Versicherungsgesellschaft und der sie betreuenden Agentur wurde eine öffentliche Rüge erteilt. PR-Stel­len dürfen keine Honorare oder sogenannte Produktionskostenzu­schüsse für Interviews mit ihren Firmenvor­ständen oder für Re­portagen über Firmen­the­men anbieten. Sie dürfen auch keiner Honorarforderung seitens der Medien nachkom­men.
 
Auf PR-Agenturen, die im Auftrag von PR-Stellen handeln, entfällt ein ebenso hohes Maß an Verantwortung. Sie sind ver­pflichtet, ihre Kunden auf die Unrechtmäßigkeit und Sitten­widrigkeit solcher Geschäfte hinzu­wie­sen.
 
Bezahlte Presse untergräbt auf Dauer das unerlässliche Vertrauensverhältnis zwischen den als unabhängig geltenden Medien und ihrem Publikum. Bezahlte Presse konter­ka­riert daher auch jede auf sauberen Informa­tionen beruhende PR-Arbeit.
 
Grundlage des Spruches sind Art. 15, Abs.2 des Code de Lisbonne und Art. 7, Abs.3 des Code de Bordeaux

03 / 1998 Selektive Vorabinformationen

Freispruch für die PR-Agentur Just Publicity
 
Der Vorfall:
 
Das Pressebüro einer Filmproduktionsgesellschaft hat für die Auftaktsendung zu einer Filmpremiere einem Sender exklusiv eine Videokassette mit Filmausschnitten, Interviews und Bildern von den Dreharbeiten (einen sogenannten electronic press kit – EPK) überlassen. Der benachteiligte Sender beklagte dieses Auswahlverfahren in öffentlichen Interviews mit dem Hinweis, das Pressebüro habe recherchieren lassen, ob die TV-Besprechung “euphorisch, mittel oder negativ” ausfallen würde (SZ vom 28.2.1997).
 

Das Urteil:
 
Der Rat billigt das Verhalten des Pressebüros. Die Agentur wurde von den beiden konkurrierenden Sendern zu einer Entscheidung gezwungen, da jeder die Auftaktsendung exklusiv bringen wollte. In einer solchen Situation darf die mögliche positive Resonanz der TV-Redaktion auf den Film berücksichtigt werden.
 
Die Erwägung des eigenen Vorteils gehört in diesem Fall zu den strategische Überlegungen, die bei der Platzierung von Vorabinformationen in Form von EPKs (Electronic press kids) zulässig sind. Erst ab dem Zeitpunkt der allgemeinen Presseinformation müssen EPKs allen Sendern zur Verfügung stehen.

02 / 1998 Öffentliche Stellungsnahme zu Erpressungen

Freispruch für Klaus Koks
 

Der Vorfall:
 
Das Kommunikationsverhalten einer erpressten Firma wurde von Außenstehenden kritisiert. Deren Beurteilungen wurden von Medien aufgegriffen und zum Anlass öffentlicher Kritik gemacht.

 
Das Urteil:
 
Der PR-Rat stellt fest, dass professionelle Sicherheitsberater oder/und Versicherungsagenten für Produktschutzversicherungen, die öffentliche Kritik am Kommunikationsverhalten erpresster Firmen üben, dies häufig aus Gründen der eigenen Profilierung oder offensichtlicher Akquisitionsbemühungen tun (FOCUS 16 und 17/1997). Die Medien sollten solchen Äußerungen daher mit Vorbehalten begegnen.
 
Sofern es solcher Kritik hingegen um die korrekte Information von betroffenen Öffentlichkeiten geht und sie von PR-Experten oder in der PR-Publizistik geäußert wird, muss sie toleriert werden. Dies gilt auch dann, wenn sie als ungerechtfertigt oder einseitig angesehen werden kann.

01 / 1998 Erpressungsfälle

Freispruch für Nestle
 
Der Vorfall:
 
Ein Nahrungsmittelhersteller sollte erpresst werden. Der Täter kündigte dazu an, in sechs eindeutig bestimmten örtlichen Supermärkten genau bezeichnete Lebensmittel vergiftet zu haben. Unter Berücksichtigung der Einschätzung des Täters, seiner ortsbezogenen Tathandlung und deren begrenzter Auswirkung sah die Polizei, um eine “Hysterie der Bevölkerung” zu vermeiden, von einer bundesweiten Veröffentlichung der Tathintergründe und Tatzusammenhänge ab. Dem Hersteller wurde daraufhin eine “windelweiche Informationspolitik” vorgeworfen. Man habe die Öffentlichkeit über das Gefahrenpotential im unklaren gelassen.
 

Das Urteil:
 
Der PR-Rat sieht nach Prüfung des Falles keinen Anlass, das Kommunikationsverhalten der Firma und der Polizei zu tadeln. Werden Firmen von Kriminellen erpresst, so obliegt die primäre Informationspflicht der Polizei. Sie hat über Zeitpunkt, Ortsgebundenheit und Ausführlichkeit ihrer Informationen unter Berücksichtigung kriminologischer Erfahrungen zu entscheiden.
 
Die erpressten Firmen werden in der Regel in diese Informationspolitik eingebunden. Unternehmerische und wirtschaftliche Aspekte, die dadurch eingebracht werden, müssen aber den beiden vorrangigen Zielen nachgeordnet bleiben: Unheil zu verhindern und Täter zu fassen. Nach Auskunft der Polizei war das in diesem Fall geschehen (Presseinformation des Polizeipräsidiums Frankfurt 0485 vom 10.4.97)
 
Im Zweifelsfall hat unternehmerische Informationspolitik dem Gebot der Transparenz und Offenheit zu folgen.

06 / 1995 Auftrag als Entgeld für Magazinbeiträge

Ratsrüge gegen den Bauunternehmer Jürgen Schneider
 
Der Vorfall:
 
Von einem Bauunternehmer erhielt ein STERN-Redakteur als PR-Berater ein Honorar von 448.000 DM. Er brachte in dem Magazin Gefälligkeitsartikel unter und wendete mit Solvenzbescheinigungen eines Wirtschaftsprüfers Vorort-Recherchen des Magazins über den sich abzeichnenden Bankrott des Unternehmers ab.
 

Das Urteil:
 
Nicht nur der STERN-Redakteur, sondern auch der Bauunternehmer handelte sittenwidrig. Der DRPR verweist auf sein paralleles Urteil zum Fall 95.1. Da sich solche Fälle mehren, wird er prüfen, mit welchen Ansinnen und welchen Aufträgen Unternehmer Journalisten als PR-Berater einsetzen dürfen.
 
Als Norm muss gelten, dass alle vertragsähnlichen Nebentätigkeiten von Journalisten anzeigepflichtig sind, und dies nicht nur intern, sondern auch gegenüber der Außenwelt. Für letzteres ist der PR-Auftraggeber mitverantwortlich.

05 / 1995 Einladungspraktiken von Automobilfirmen

Verwunderung über ARD Ratgeber
 
Der Vorfall:
 
In einer ARD-Ratgebersendung am 5. April 1995 wurden die Einladungs- und Reisepraktiken verschiedener Hersteller der Automobil-, Computer- und Heilmittelbranche scharf kritisiert.

 
Das Urteil:
 
Der DRPR sieht in den aufgezeigten Praktiken bewusst gesuchte, von den einladenden Firmen auch eingestandene Einflussnahmen auf Journalisten. Da deren Zulässigkeit seit Jahren strittig ist, wird er dazu eine eigene Richtlinie für Einladungen, Reisen und Geschenke herausgeben (liegt inzwischen vor; s. Ratsrichtlinie 1).
 
Mit großer Verwunderung hat der DRPR allerdings die Praxis der ARD-Ratgeber-Redaktion festgestellt, zur Illustrierung der Korruptionspraktiken der Automobilindustrie einen Einzelfall aus dem Jahr 1966 so darzustellen, als habe er sich gerade erst ereignet. Die Recherche des DRPR bei der von der Ratgeber-Redaktion genannten Automobilfirma hatte ergeben, dass sich bei ihr seit 1966 vergleichbares nicht wiederholt hatte.

04 / 1995 PR-Einsatz prominenter Politiker

Freispruch für Hunzinger
 
Der Vorfall:
 
Die PR-Agentur Moritz Hunzinger vermittelte gegen Honorar einen EU-Kommissar für einen Auftritt bei einem Unternehmertag in Mecklenburg-Vorpommern. Der Landesrechnungshof kritisierte, dass dafür und für die eventuelle Honorierung des Kommissars Geldmittel aus einem europäischen Regionalfonds eingesetzt wurden.
 

Das Urteil:
 
Der DRPR erachtet die Tätigkeit von Personalvermittlern für PR-Auftritte als ein persönliches Geschäft zwischen zwei Vertragspartnern und sieht daher keinen Anlass für ein Beschwerdeverfahren.

03 / 1995 Akquisitionspraxis einer PR-Agentur

Freispruch für die Agentur Jürgen Fichtner
 
Der Vorfall:
 
Eine PR-Agentur bot ihren Kunden redaktionell aufgemachte Beiträge im Anzeigenteil des HANDELSBLATT an. Sie informierte sie über die dadurch entstehenden Kosten in einem dem Angebot beigefügten Fragebogen, nicht jedoch im Hauptanschreiben.

 
Das Urteil:
 
Der DRPR anerkennt, dass PR-Agenturen vielfach von der Platzierung von Nachrichten in den redaktionellen Teilen einer Publikation leben. Dafür Honorare zu beziehen, kann ihnen nicht zum Vorwurf gemacht werden. Im vorliegenden Fall ging es jedoch um die Herstellung und Platzierung von redaktionell aufgemachten, bezahlten Mitteilungen; ihr Anzeigencharakter wurde durch die dem Angebot beigefügten Beispiele nicht deutlich.
 
Der DRPR sah darin primär eine Täuschung der Agenturkunden und damit eine privatrechtliche Angelegenheit. Das HANDELSBLATT versäumte es allerdings in der zur Entscheidung vorliegenden Ausgabe vom 1. Dezember 1994, die Mitteilungen der PR-Agentur als “Anzeigen” zu kennzeichnen. Dieser Kennzeichnungspflicht kam es in späteren Ausgaben nach.

02 / 1995 Aktivitäten einer Sekte

Der Fall Scientology
 
Vorfall
 
Der Hauptausschuss der DPRG bat den DRPR, die Aktivitäten der Sekte Scientology dahingehend zu prüfen, ob Öffentlichkeitsarbeit durch deren Verhalten diskreditiert werde. Er bat um einen Vorschlag zu der Frage, ob sich die DPRG von diesem Verhalten öffentlich distanzieren sollte.

 
Das Urteil:
 
Da der DRPR grundsätzlich konkrete Fälle beurteilt, – auch wenn er bisweilen aufgrund konkreter Fälle generelle Normen aufstellt, – sieht er derzeit keinen konkreten Anhaltspunkt, der ihn zu einer Stellungnahme veranlassen müsste. Die Frage einer Unvereinbarkeit von Mitgliedschaften ist verbandspolitischer Natur. Er sieht sich daher im Falle der Scientology auch nicht für zuständig.

01 / 1995 Bezahlte Presseinterviews

Ratsrüge gegen Aufsichtsratsvorsitzenden
 
Der Vorfall:
 
Curt Engelhorn, Aufsichtsratsvorsitzender der Firma Boehringer/Mannheim, beauftragte die Werbe-, Marketing- und PR-Agentur Producta in Köln, gegen eine Honorarzahlung von 41.4000 DM nicht nur eine Krisen-PR-Konzeption zu erstellen und Kontakte zu deutschen und internationalen Medien herzustellen, sondern auch die Abklärung und Erstellung von Interviews und Statements” durchzuführen (Kopie der Agenturrechnung vom 15. August 1994). Im Verfolg dieses Auftrags kam es am 21. März 1994 zu einem Interview im SPIEGEL. Der SPIEGEL-Redakteur war der Ehemann der Agenturmitarbeiterin und erhielt nach Auskunft des Agenturinhabers 90% der vereinbarten Honorarsumme.
 

Das Urteil:
 
Manager, die sich ein gefälliges Interview durch Honorarzahlung an Redakteure erschleichen, handeln sittenwidrig. Unter PR-Fachleuten wird eine solche Handlungsweise eindeutig als Verstoß gegen die Standesgrundsätze geahndet. Diese Grundsätze gelten auch für Topmanager. Auch sie haben sich bei ihren Medienkontakten an die PR-Kodizes zu halten.